Finnische Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlicher untersuchten, wie arbeitsbezogene psychosoziale Faktoren mit der Dauer des Erwerbslebens in verschiedenen Berufsgruppen zusammenhängen. Grundlage bildete eine Kohortenstudie mit 70.662 Beschäftigten des finnischen öffentlichen Sektors im Alter von mindestens 50 Jahren. Die Teilnehmenden beantworteten in den Jahren 2000 bis 2002, 2004, 2008, 2011 bis 2012, 2013 bis 2014 sowie 2015 bis 2016 wiederholt Fragebögen zu psychosozialen Arbeitsbedingungen, wobei jede Person mindestens einmal im Alter von 50 Jahren oder älter teilnahm (Rücklaufquote 66–71 %; 80 % Frauen). Die Befragungsdaten wurden mit Rentenversicherungsdaten verknüpft, um die tatsächliche Erwerbsbeteiligung bis zum 31. Dezember 2018 zu überprüfen. Die Dauer des Erwerbslebens zwischen dem 50. und 68. Lebensjahr wurde mithilfe von Mehrzustands-Lebenszeittafeln geschätzt. Die Analysen erfolgten getrennt für drei Berufsgruppen: Führungskräfte und hochqualifizierte Fachkräfte, nicht-manuelle Angestellte sowie Dienstleistungsbeschäftige und manuell tätige Beschäftigte.
Die Ergebnisse zeigen, dass die durchschnittliche verbleibende Erwerbsdauer im Alter von 50 Jahren 13,1 Jahre betrug (95 %-Konfidenzintervall 13,1–13,2). Ungünstige psychosoziale Arbeitsfaktoren standen in allen Berufsgruppen mit einer kürzeren Erwerbsdauer in Zusammenhang, wobei sich eine Abstufung von höheren zu niedrigeren Berufsgruppen zeigte. Ein hohes Verausgabungs-Belohnungs-Ungleichgewicht (Effort–Reward Imbalance) war mit der kürzesten Erwerbsdauer verbunden und ging mit einer um etwa fünf Monate verkürzten Erwerbszeit im Vergleich zu Beschäftigten mit niedrigem Verausgabungs-Belohnungs-Ungleichgewicht einher. Die längste Erwerbsdauer (13,7 Jahre) wurde bei Führungskräften und hochqualifizierten Fachkräften mit hoher relationaler Gerechtigkeit beobachtet, während die kürzeste (12,5 Jahre) bei Dienstleistungsbeschäftigten und manuell tätigen Beschäftigten mit hohem Verausgabungs-Belohnungs-Ungleichgewicht festgestellt wurde. Unterschiede zwischen Männern und Frauen wurden nicht beobachtet.
Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Förderung günstiger psychosozialer Arbeitsbedingungen dazu beitragen kann, die Erwerbsdauer zu verlängern und Ungleichheiten in der Erwerbsbeteiligung zu verringern, insbesondere bei Beschäftigten in Dienstleistungsberufen und manuellen Berufen.
Die Originalarbeit ist im Scand J Work Environ Health erschienen und unter https://doi.org/10.5271/sjweh.4298 verfügbar.